Mann sprich Tacheles!
Montag morgen. Ich betätige den Aufzug. "Einmal fünfter Stock bitte sehr!", murmel ich vor mich hin. Ich beobachte mich im Spiegel des Fahrstuhls. Der neue Anzug sieht super aus. Ich genieße noch einen Moment den Anblick meines Spiegelbilds, dann bin ich im richtigen Stockwerk angekommen. Ab jetzt beginnt meine Morgenroutine. Tür auf, Eintreten, und den langen Flur entlang zu meinem Büro. Das Ende des Gangs ist mit einem Fenster versehen, was meinen letzten Schritten etwas sakrales verleiht. Mein "Office" ist spartanisch eingerichtet. Ich mag das so! Großer Schreibtisch auf der gegenüberliegenden Seite zur Tür. Dahinter zwei große Doppelfenster, die bis zum Boden gehen. Ich lege meine Sachen ab, stecke mein Notebook in die Docking-Station und schalte es ein. Anschließend mache ich mich auf den Weg zur Kaffemaschine. Ein kurzer Blick auf die Uhr -- 9:20 Uhr. Ich hatte heute bereits einen Kaffee doch ein weiterer kann nicht schaden, denn heute habe ich großes vor. Der Vorstand hat endlich meine Präsentation zur Osteuropa-Expansion unserer Unternehmensparte zur Kenntnis genommen. Heute ist mein großer Tag!
Die Kaffeemaschine ist bereits gut besucht. Zahlreiche Kollegen lungern dort herum. Als ob Karriere für die ein Fremdwort wäre! Ich tue geschäftig, lasse mir einen doppelten Espresso heraus und schwupp bin ich wieder in meinem Büro. Moment, was ist das? Am Türrahmen klebt eine Notiz: "Vorstellungsgespräch mit Peter Hainle, 9:45 Uhr! Maria" Blick auf die Uhr, "9:40 Uhr, Mist!", fluche ich leise in mich hinein. Ich lasse mich in meinen Schreibtischstuhl fallen und beginne meinen Terminkalender zu inspizieren. "Wo kommt dieser Termin her?", frage ich mich. Eingestellt am Freitag letzter Woche, von Maria Kleinbaum. Ich erwäge kurz die Alternative das Gespräch abzusagen. Dann wird mir klar, das Maria, die Klatsche vom Dienst, meinem Ruf erheblichen Schaden zu fügen könnte und finde mich mit meinem Schicksal ab. Ich stürze den Espresso herunter und verbrennen mir dabei ganz ordentlich die Zunge. Den Griff meiner Bürotür in der Hand, lasse ich den Blick aus dem Fenster in die Ferne schweifen und sinniere kurz vor mich hin: "Dabei fing der Tag so gut an!"
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... @Tom vielleicht beschreibst du den weg des bewerbers ähnlich. Bleibt aber komplett dir überlassen :)
oltbaba said... (about 1 year ago)